Ebenso sicher, wie ich mir bin, dass meine Sippe keine Schuld trifft, so sicher muss Rugin unser Blut verflucht haben.
Vor langer Zeit schon verstießen wir den Bruder meines Vaters aus der Sippe der Björnsons, als wir merkten wie verderbt sein Geist von den Lehren Grimirs war. Oft fluchte mein Vater seinen Namen, denn er konnte nicht verstehen, wie Großvater einen Anhänger Grimirs mit dem Leben davon lassen konnte. Der alte Runenwürfler hatte es nicht übers Herz gebracht das Blut seines Sohnes zu vergießen und so missachtete er den Ruf der Ahnen, denn alle Zeichen sprachen sich gegen sein Überleben aus.
Dieser Frevel sollte sich bitter rächen, denn nur wenige Monde später verschwand mein Bruder spurlos. Keiner wusste, wo er zu suchen sei und mein Vater fürchtete, er sei den Söhnen der Freiheit zum Opfer gefallen.
Doch unversehrt und etwas durcheinander kehrte er nach einigen Sonnenaufgängen zu uns zurück. Er wusste nicht was geschehen war, sprach kaum noch mit seiner Sippe und verschwand fast jede Nacht für einige Zeit in der Dunkelheit.
Doch eines Morgens kehrte er nicht wieder zurück und war fortan verschollen.
Auch meinem Vater brach es das Herz. Was auch immer ich tat, welche Ehren ich errang, nichts konnte ihn über den Verlust meines Bruders hinweg trösten.
Von klein an übte ich mich an den Waffen unserer Sippe, an der Axt, der Keule, der Streitkolben, lernte mich in Ketten zu bewegen, doch all das schien völlig bedeutungslos für meinen Vater zu sein.
Es brauchte seine Zeit bis ich begriff, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen musste, ohne den Drang meinem Vater gefallen zu wollen. So unterzog ich mich dem Schicksalsspruch der Runen, die mich für würdig befanden.
Großvater nahm mich in den Kreis der Runenleser auf!
Ich lernte, wie nur sehr wenige unseres Clans, Lesen und Schreiben, lernte das geschriebene Wort schätzen und lernte auf die Zeichen des Schicksals zu hören, die aus den goldenen Hallen Rugins auf die Erde tropften.
Doch zu den Privilegien eines Runenwürflers sollten auch bald die unangenehmen Pfllichten hinzukommen. So war es seit je her Sitte bei unserer Sippe, dass die Anhänger Grimirs, welche aufgegriffen wurden, vor ihrem grausamen Tode durch die Runenwürfler befragt wurden. Das Handwerk der Folter blieb bei unserer Sippe mit dem Schicksalslesen so eng verbunden, dass ich nicht umhin kam mich auch im Zufügen von Schmerzen zu üben.
Es war nicht außergewöhnlich, dass sich die Söhne Grimirs zu unserem Dorf verirrten, denn als eine Sippe von Holzfällern arbeiteten wir dicht an den Unterschlüpfen dunkler Gesellen.
Bald schon musste ich die Unterweisungen an einem jener ausführen. Fühlte ich mich am Anfang noch unwohl, als ich ihm, wie ich es gelernt hatte die Folterinstrumente präsentierte, nahm mit jeder Folter mein Unbehagen ab und meine Neugier wurde größer. Der Sohn Grimirs berichtete von meinem Bruder, der längst einer der ihren geworden war und durch die Lande zog um Verbündete für ihr dunkles Werk zu finden.
Er hatte sich den Namen Nerak Jolfson gegeben und reiste mit Kriegern der Eisfalken um in der Wüste Totenbeschwörer für den Chaosgott zu suchen.
Nach der Befragung stand für mich der Entschluss fest, ihnen hinterher zu reisen. Ich musste die Ausbildung zum Runenwürfler abbrechen, jedoch mit dem Schwur, dass ich auf meinen Reisen lernen würde.
Ich schnürte mein Päckchen und wanderte den Kriegern der Eisfalken entgegen. Tag und Nacht bei Wind und Wetter mit wenig Rast erreichte ich sie nach nur wenigen Monden.
Bevor ich ihnen sagen konnte, dass ich gekommen war um sie zu warnen, erfuhr ich von ihnen, dass sie einen Verräter in ihren eigenen Reihen hatten, den sein verdientes Schicksal ereilt hatte. Beruhigt darüber, dass mein Bruder kaum Schaden anrichten konnte, behielt ich mein Wissen für mich um mir die Blutschande zu ersparen und beschloss, weiter mit ihnen zu reisen und meinen Schwur wahr zu machen…