Goderik Iskaldur

Ich werde Goderik gerufen und entstamme der Sippe der Iskaldur vom Clan der Eisfalken. Vor nun mehr als zweiundvierzig Wintern wurde ich im Norden Arasteas, am großen Fjord, geboren.

 Im Schneegrenztal, Heimat zahlreicher Sippen und Clans, liegt meine Vergangenheit, wenngleich ich viele Umläufe durch fremde und weite Lande zog. Erst vor etwas mehr als einem Winter kehrte ich mit Tindra, meinem Weib, und meiner Tochter Tinu Asula zu Sippe und Clan zurück. Es waren zwanzig Winter seit meiner Abreise vergangen und dennoch war dies der einzige Ort für mich, an dem ich mich heimisch und gebraucht fühlte.

Es hatte sich nicht viel verändert. Eisige Winter, karges Land, spärliche Ernten und ein steter Kampf mit feindlichen Clans um das Wenige was man besaß. Die Sippe brauchte mich und mein Bruder Barik war erfreut über meine Wiederkehr. Gemeinsam schmiedeten wir, wie schon  im Jungenalter, und versorgten den Clan mit Waffen, Schilden und allem Notwendigem aus Eisen und Stahl. Mein Neffe Alrik zählte inzwischen siebenundzwanzig Winter und verstand sich ebenso auf das Waffen- und Schmiedewerk.

 Tindra´s Vater starb vor ein paar Wintern, dennoch war der alte Zwist zwischen ihrer Sippe und mir nicht in Vergessenheit geraten. Ihre Brüder waren noch immer gegen die Wahl ihrer Schwester. Vor meiner Reise hatte ich Tindra gegen ihres Vaters Willen zum Weib genommen und mir so seine Feindseligkeit verdient. Wir waren jung, unbändig und gingen unseren eigenen Weg.  Ich versprach ihrer Sippe, ein würdiger Mann für Tindra zu sein und verdingte mich als Fischer und Nebelrobbenfänger. Als aber auch dies unser Auskommen nicht besserte und ein Sippenstreit zu entfachen drohte, beschlossen wir unser Glück in anderen Landen zu suchen. Ich erhoffte mir Reichtum und Ehre zu erlangen. Nach vielen Wintern auf See, als Söldner und ziehender Schmied kehrte ich nun endlich zurück zu meiner Sippe. Inzwischen hatten wir eine Tochter von zehn Wintern, welche den Namen Tinu Asula trug.

Tindra war im Clan angesehen, denn als Ahnenfrau vernahm sie den Ruf der Ahnen und konnte den Rat der längst Verstorbenen an uns tragen. Innerhalb des Clans konnten die Wenigsten anderes als die Runen des Clans lesen und schreiben. Dies traf auch auf mich zu, denn ich hatte es bereits im Kindesalter erlernt.

Der Winter meiner Widerkehr war der härteste, denen sich der Clan seit langen Zeiten gegenüber sah. Das Vieh des Clan vermehrte sich kaum noch und die Kämpfe gegen verfeindete Clans nahmen zu. Frega, die Göttin der Fruchtbarkeit hatte uns ihre Gunst verweigert und Rugin forderte unseren Kampfesmut. Der Rat des Clans befragte die Ahnenfrauen und entschied, Freiwillige auszuschicken um neues Vieh zu suchen, welches sich mit dem verbliebenen Vieh vermehren konnte. Meine Sippe bat mich auszuziehen, da ich die Umlande kannte und der Streit zu Tindras Brüdern sich zunehmend verstärkte.

Gemeinsam mit der jungen Ahnenfrau Salka, aus der Sippe der Falkyar und Alrik, meinem Neffen, begaben wir uns auf die Reise in das südliche Schneegrenztal, denn diesen Weg gebot uns unser Schicksal und auch die Ahnen wiesen in seine Richtung. Hier sollte unerkundetes und herrenloses Land liegen. Während der Reise trafen wir auf NerakJolfson, einen Nordmann aus einem benachbarten Clan, der in die gleiche Richtung zog. Er wies uns den Weg in eine kleine Schankstube am Waldrand von Rodenzia. Wenngleich ich den Wald wegen der Hexenweiber, die in ihm leben sollten, meiden wollte, stimmten mich die zahlreichen Humpen Bier und Met, die diese Stube versprach, um. Wir genossen seit langem unser erstes Bad im Zuber und die Annehmlichkeiten einer warmen Stube, bevor wir am nächsten Morgen weiterzogen.